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durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend und das Thüringer Ministerium für Soziales, Familie
und Gesundheit im Rahmen des Bundesprogramms TOLERANZ FÖRDERN
- KOMPETENZ STÄRKEN. |
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Der neue Antisemitismus |
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Frankfurter
Rundschau vom 24.01.2012 |
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Antisemitisches Gedankengut ist einer
Studie zufolge in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet. Demnach
sind 20 Prozent der Bevölkerung latent antisemitisch
eingestellt.
"Die neue Form des Antisemitismus äußere sich nicht
zwingend in Taten, sondern sei in den Einstellungen vorhanden,
sagte der Zeithistoriker Peter Longerich, der dem Expertenkreis
angehört, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Es handele
sich dabei jedoch nicht um ein gesellschaftliches Randphänomen.
Beispielsweise seien rassistische, rechtsextreme und antisemitische
Parolen auch weiterhin auf deutschen Fußballplätzen an
der Tagesordnung. Aussprüche wie: "Juden gehören
in die Gaskammer" oder "Synagogen müssen brennen"
seien nicht unverbreitet.
Bei der Verbreitung antisemitischer Einstellung unter der Bevölkerung
nehme Deutschland aber im europaweiten Vergleich einen Mittelplatz
ein. Zum Teil extrem hohe Antisemitismus-Werte gebe es in Polen,
Ungarn und Portugal. In Deutschland zählt das rechtsextremistische
Lager weiterhin als wichtigster politischer Träger
des Antisemitismus. Rund 90 Prozent der antisemitischen Straftaten
seien rechtsextremen Tätern zuzuordnen.
In der deutschen Gesellschaft seien antisemitische Einstellungen
in erheblichem Umfang vorhanden und zwar in unterschiedlichen inhaltlichen
Ausprägungen, heißt es in dem Bericht. Sie basierten
auf weitverbreiteten Vorurteilen und tief verwurzelten Klischees,
beziehungsweise auf schlichtem Unwissen über Juden und Judentum.
Angesichts moderner Kommunikationswege wie dem Internet sei die
Verbreitung dieses Gedankengutes kaum zu unterbinden. Dadurch gerate
die weitgehende Tabuisierung des Antisemitismus in Gefahr, wie sie
bisher Konsens in der deutschen Öffentlichkeit gewesen sei.
Antisemitisches Gedankengut ist in weiten Teilen der Gesellschaft
verbreitet. Demnach sind 20 Prozent der Bevölkerung latent
antisemitisch eingestellt. Der Begriff latent weist
darauf hin, dass sich der Antisemitismus nicht zwingend in Taten
äußert, sondern in Einstellungen der Menschen vorhanden
ist.
Dem Bericht zufolge gehört der Antisemitismus bei den Rechtsextremisten
zum konstitutiven Bestandteil der Ideologie. Judenhass
ist für die Rechtsextremen zum identitätsstiftenden Faktor
geworden, der die unterschiedlichen Gruppierungen verbindet. Was
für den Linksextremismus nicht gelte. Gleichwohl sei er auch
dort zu finden. Als neuer Träger von Antisemitismus erweist
sich dem Bericht zufolge mittlerweile auch der Islamismus. Wie stark
der Antisemitismus allerdings auch in der muslimischen Bevölkerung
verankert ist, müsse noch untersucht werden.
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Thüringer Fraktionen rufen zu
Protesten in Dresden auf - Bündnis Nazifrei fürchtet neue
Strategie der Rechten |
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DNN-online
vom 18.01.2012 |
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Die Landtagsfraktionen von Linke,
SPD und Grünen in Thüringen haben zu Kundgebungen und
Blockaden gegen die geplanten Neonazi-Aufmärsche im Februar
in Dresden aufgerufen. Symbolisch hängten dafür am Mittwoch
ihre Vorsitzenden zusammen mit Vertretern weiterer Gruppen und Wirtschaftsminister
Matthias Machnig (SPD) Plakate für Block Dresden 2012"
vor dem Landtag auf. SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Höhn bezeichnete
dabei auch Blockaden als zivilen Ungehorsam" und Zeichen
für Zivilcourage", um rechte Aufmärsche in
die Schranken zu weisen. Nach Ansicht von Linke-Fraktionsvize Martina
Renner können auch Blockaden solange unter dem Schutz des Versammlungsrechts
stehen, wie sie nicht von der Polizei aufgelöst würden.
Unterdessen fürchtet das Bündnis
Dresden-Nazifrei einen Strategiewechsel der Rechten. Während
die Rechtsextremen bislang immer den Samstag nach dem 13. Februar
nutzten, erwartet man nun den Schwerpunkt direkt am Jahrestag der
Bombardierung Dresdens, obwohl dies ein Wochentag ist. Die vom sächsischen
Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Jungen Landsmannschaft
Ostdeutschland hat für mehrere Tage Demonstrationen angemeldet:
für den 13. Februar, den 18. Februar sowie für den 11.
Februar, den Samstag vor dem Jahrestag.
Für den 18. Februar, an dem in Dresden
auch eine große Gegenkundgebung geplant ist, erwartet Dresden-Nazifrei
aber deutlich weniger" Neonazis als in den Vorjahren.
Damit erhöhen sich unsere Chancen,
den Naziaufmarsch ein drittes Mal zu blockieren und endgültig
Schach-Matt zu setzen. Allerdings beobachten wir auch, dass sich
ihrerseits mehr Aktivitäten auf den 13. Februar konzentrieren.
Klar ist, mit ihrer Doppelstrategie wollen die Nazis erreichen,
wenigstens an einem Tag relativ ungestört marschieren zu können",
heißt es.
Am 13. Februar ist neben dem offiziellen Gedenken
auf dem Dresdner Heidefriedhof am Nachmittag wieder eine große
Menschenkette geplant. Das Bündnis Nazifrei plant an dem Tag
einen Mahngang Täterspuren", der an die Stätten
des NS-Terrors in Dresden führen soll. Im Vorjahr war der Rundgang
allerdings aufgrund des Trennungskonzeptes zwischen Rechts und Links
abgesagt worden.
Das Bündnis wolle weiter für den
18. Februar mobilisieren und erwartet wie im Vorjahr mehr als 10.000
Nazi-Gegner aus ganz Deutschland. Für uns ist klar, dass
wir jeden Aufmarsch verhindern wollen, egal 6000 oder 600 Nazis
versuchen durch Dresden zu marschieren", teilte das Bündnis
mit. Allerdings wird nun auch verstärkt dazu aufgerufen, schon
am 13. Februar nach Dresden zu kommen. Wir bitten euch, versucht
in jedem Fall euch auch den 13. Februar einzurichten", heißt
es.
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Neue Neonazi-Datei stößt
schon auf Kritik |
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Hamburger
Abendblatt vom 19.01.2012 |
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Datenbank, Abwehrzentrum, Untersuchungsausschuss:
Die Politik setzt auf viele Maßnahmen gegen den Rechtsextremismus.
Die Ergebnisse sind spärlich.
Jörg Ziercke hat eine Menge Zahlen parat. Nicht zu konkreten
Ermittlungsergebnissen, dazu können die Behörden aufgrund
laufender Verfahren noch immer nichts sagen. Dafür aber zu
dem Datenwust, durch den sich die Beamten bei der Aufklärung
der rechtsextremen Mordserie gerade kämpfen müssen. Und
so zählt der BKA-Chef auf: 5000 potenzielle Beweismittel seien
in den vergangenen Wochen sichergestellt worden, davon 23 Festplatten
mit einem riesigen Datenvolumen von neun Terabyte. 840 Hinweisen
aus der Bevölkerung gehe man nach. Und es seien jeden Tag 400
BKA-Beamte im Einsatz. "Die Ermittlungen", sagt Ziercke
schließlich, "laufen auf Hochtouren." Viele Zahlen,
bisher wenig Ergebnisse.
Dass das Bundeskabinett nach dem Streit von Justizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Innenminister Hans-Peter Friedrich
(CSU) am Mittwoch den Weg frei gemacht hat für die neue Neonazi-Datei,
passt Ziercke deshalb sehr gut. Nach der Mordserie durch die Zwickauer
Terrorzelle soll es nach dem Vorbild der Anti-Terror-Datei über
gefährliche Islamisten eine Sammlung über Rechtsextreme
geben. Das Abendblatt dokumentiert die wichtigsten Maßnahmen,
die für den Kampf gegen die rechte Gewalt in den letzten Wochen
ins Leben gerufen wurden:
Nazi-Datei und Abwehrzentrum
Rund 10.000 Namen werden wohl in die neue Datei aufgenommen - vor
allem rechtsextreme Gewalttäter sowie deren Anstifter, Hintermänner
und Drahtzieher. Anders als bei der Islamistendatei sollen die Ermittler
die Möglichkeit zu einer verknüpften Recherche erhalten.
Das heißt, sie können sich etwa die rechtsextreme Musikszene
in einer Region anschauen oder Rechtsextremisten mit Waffenkenntnissen
abfragen. Es soll jedoch keine Gesinnungsdatei entstehen: Wer rechtsextreme
Gewalttaten gutheißt, ohne selbst gewalttätig zu sein,
wird nicht erfasst.
Die Datei gilt nun als der zentrale Informationskern für das
Abwehrzentrum von Bund und Ländern gegen Rechtsextremismus,
das im Dezember gegründet wurde und seine Arbeit bereits aufgenommen
hat. Es startet mit 140 Mitarbeitern, soll aber wachsen. Vor allem
geht es um eine bessere Kooperation der Polizeibehörden und
Verfassungsschutzämter. Hier wird bei der Aufklärung der
rechtsextremen Mordserie von schweren Ermittlungspannen ausgegangen,
womöglich sogar von Verstrickungen der Behörden.
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NSU-Mordserie: Initiativen fordern
wirksame Aufklärung |
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Zeit
online vom 13.01.2012 |
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Zeitgleich zur parlamentarischen
Diskussion über die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses
des Deutschen Bundestags trafen sich am Freitag in Berlin mehr als
30 Vertreterinnen und Vertreter zivilgesellschaftlicher und antifaschistischer
Organisationen zum Thema NSU.
Die anwesenden Initiativen recherchieren und
arbeiten seit Jahren, weit vor dem Bekanntwerden der NSU-Verbrechen,
zu Strukturen und Erscheinungsformen von Rechtsextremismus und Rassismus.
Sie fordern eine lückenlose Aufklärung der Umstände
unter denen der NSU seine Mordtaten begehen konnte. Im März
sollen zudem mit einem öffentlichen Hearing weitere
Details und Hintergründe des rechten Terrornetzwerkes beleuchtet
werden.
Die ersten Schlussfolgerungen des bundesweiten
Treffens vom Freitag lauten:
1. Die Behörden haben über 15 Jahre
bei der Verfolgung der Neonazis mindestens versagt, wenn nicht mit
ihnen kooperiert, so dass die Opfer ihnen schutzlos ausgeliefert
waren.
2. Die Parlamente haben während dieser
Zeit ihre Aufgabe nicht erfüllt, die Tätigkeit der zuständigen
Behörden zu kontrollieren und haben deren Versagen nicht erkannt.
Weder Gesellschaft noch Medien haben die rassistischen Morde und
ihren gesellschaftspolitischen Hintergrund ausreichend problematisiert.
3. Auch seit Bekanntwerden der NSU-Morde vor
zwei Monaten haben die Parlamente keine befriedigende Aufklärung
erhalten, sondern wurden von den zuständigen Behörden
hingehalten. Die Aufklärung durch parlamentarische Untersuchungsausschüsse
ist überfällig und darf nicht weiter verzögert werden.
4. Die Ungewissheit über die weitere
Einrichtung und Gestaltung von Untersuchungsausschüssen bestärkt
das ohnehin bestehende Misstrauen, ob dies überhaupt jemals
zu einer vollständigen Aufklärung der Nazi-Morde und der
Rolle der Behörden dabei führen kann.
5. Nicht hinnehmbar ist es, dass Behörden
Informationen filtern und bewerten: ihnen darf nicht weiter die
Deutungshoheit überlassen werden.
6. Weitere außerparlamentarische Aufklärung
muss gestärkt und der dort vorhandene Sachverstand der Initiativen
genutzt werden. Dazu stehen diese mit all ihrem Fachwissen gegenüber
den Betroffenen, der Politik und der Öffentlichkeit bereit.
Die bisher völlig unzureichende gesellschaftliche Debatte über
Rechtsextremismus und Rassismus muss befördert werden.
7. Die Vertreterinnen und Vertreter des Treffens
kündigen zum 3. März 2012 in Berlin ein öffentliches
Hearing an, wo sie Einzelheiten ihrer Erkenntnisse, Analysen und
Forderungen vorstellen und diskutieren.
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Solidarität mit NSU-Verdächtigem |
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Blick
nach Rechts vom 09.01.2012 |
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Zeugenaussagen belasten den einflussreichen
Jenaer Neonazi Ralf Wohlleben der Mittäterschaft bei der Zwickauer
Terrorzelle. Doch die NPD-unabhängigen Kreise lassen ihn nicht
fallen.
Ralf Wohlleben ist nicht irgendein Aktivist. Der wegen
des Verdachts der Unterstützung der Zwickauer Terrorzelle Nationalsozialistischer
Untergrund (NSU) inhaftierte Jenaer Neonazi genießt
einen bundesweit bekannten Ruf innerhalb der braunen Hardcore-Szene.
Insbesondere über seine Verhaftung empören sich zahlreiche
Kameraden, wenn auch nicht aus den Reihen der NPD. Die schweigt
lieber. Denn der ehemalige führende thüringische NPD-Funktionär
Wohlleben genannt Wolle steht im Verdacht, den 1998
untergetauchten Bombenbastlern aus den Reihen seiner damaligen Kameradschaft
Jena nicht nur finanziell und logistisch geholfen, sondern 2001
oder 2002 sogar eine Schusswaffe besorgt zu haben.
Westmark, Chef der Hammerskin Nation aus
Ludwigshafen, empört sich im Thiazi-Forum über
die Wohlleben belastenden Aussagen des drogensüchtigen
Aussteigers und Mitverdächtigen an den Verbrechen der
NSU, Holger G. aus dem niedersächsischen Lauenau. Westmark
ist wütend, denn Wolle hockt seit 5 Wochen in U-Haft,
der Anwalt bekomme demnach keine Akteneinsicht und der Haftrichter
habe die Gefangenschaft verlängert. Dieses Scheiss-System
ist so etwas von erbärmlich, motzt der einflussreiche
Anführer des konspirativen Konzert und Musiknetzwerkes.
An die inhaftierten Gesinnungsgenossen erinnern auch Aktivisten
des Freien Netzes Saalfeld und Jena, aus deren unmittelbarem
politischem Umfeld Wohlleben stammt. Zu Weihnachten und zum Beginn
des neuen Jahres sei das, gerade nach dem Verbot der HNG
(Hilfsorganisation für nationale Gefangene) durch das Bundesinnenministerium,
wichtiger denn je. Die thüringischen Neonazis veröffentlichten
eine eigene Liste mit den Namen von Straftätern wie unter anderem
dem Polizistenmörder Kay Diesner, dem kriminellen Hammerskin-Anhänger
Sven Krüger aus Jamel, dem Holocaust-Leugner Horst Mahler und
dem Altermedia-Betreiber Axel Möller. Ihnen solle
mit Briefen und Aufmunterungen geholfen werden, die Zeit der
Haft ungebrochen und ungebeugt zu überstehen.
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Die NPD macht Jagd auf junge Mädchen |
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Focus
vom 09.01.2012 |
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Die NPD will sich künftig mehr
auf das Anwerben weiblicher Unterstützer konzentrieren und
ihr Image dahingehend anpassen. Denn Frauen sind einem Bericht zufolge
nicht weniger fremdenfeindlich als Männer.
Neonazis und die NPD bemühen sich nach Erkenntnissen von NRW-Innenminister
Ralf Jäger (SPD) zunehmend um die Anwerbung von Frauen und
Mädchen. Dabei verzichteten sie bewusst auf Hetzparolen, sagte
Jäger den Zeitungen der WAZ-Gruppe (Montagsausgaben). Die Thüringer
Kommission zur Untersuchung der Rolle des Landes-Verfassungsschutzes
im Zusammenhang mit der Neonazi-Zelle will derweil bis Ostern einen
Bericht vorlegen.
Jäger sagte, bei ihren Anwerbeversuchen von Unterstützerinnen
stellten sich Rechtsextreme als Opfer von Provokationen politischer
Gegner dar. "Dies soll von dem in Wahrheit äußerst
aggressiven und gewaltbereiten Auftreten vieler Rechtsextremisten
ablenken", fügte der Düsseldorfer Innenminister hinzu.
Laut einer Studie des NRW-Verfassungsschutzes gilt dem Bericht zufolge
vor allem das Potenzial der NPD an männlichen Wählern
als weitgehend ausgereizt. Von einem Zuwachs an Frauen verspreche
sich die rechtsextreme Partei ein weniger negatives Image in der
Öffentlichkeit, hieß es weiter in dem Bericht. Wissenschaftlichen
Studien zufolge seien zwei von drei NPD-Wählern männlich.
Dennoch sehen die Verfassungsschützer
bei fremdenfeindlichen Einstellungen kaum Unterschiede zwischen
Männern und Frauen. Antisemitismus kommt laut dem Bericht aber
häufiger bei Männern vor, Islamfeindlichkeit bei Frauen.
Jäger wertete dies als Beleg, dass bei der Vorbeugung "männliche
und weibliche Jugendliche gleichermaßen" erreicht werden
müssten.
Die Mitte November eingesetzte Thüringer Kommission, die die
Rolle des Verfassungsschutzes im Zusammenhang mit dem Neonazi-Trio
untersucht, zog in Erfurt eine erste Zwischenbilanz ihrer Arbeit.
Das Gremium habe bereits umfangreiches Aktenmaterial ausgewertet,
sagte der Leiter der Kommission, der ehemalige Bundesrichter Gerhard
Schäfer. Bis Ostern werde möglicherweise ein Ergebnis
vorliegen. "Wir sind noch mitten in der Arbeit", sagte
Schäfer.
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Geldhahn zudrehen: Geibert und Poppenhäger
für NPD-Verbot |
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Thüringische
Landeszeitung vom 04.01.2011 |
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Wie ist der rechtsextremen NPD am
besten beizukommen? Ist ein Verbot das Maß aller Dinge? Oder
sollte versucht werden, der Partei den Geldhahn abzudrehen? Thüringens
Innenminister Jörg Geibert (CDU) präferiert die erstere
Variante.
"Bund und Länder sollten ihre Energien in ein Verbotsverfahren
stecken", sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Gleichwohl
will er Alternativen ebenfalls nicht von vornherein eine Absage
erteilen. Den Vorstoß der CSU gelte es zu prüfen, sagt
er in Richtung der bayerischen Schwesterpartei.
Auf ihrer Winterklausur im oberbayerischen Wildbad Kreuth wollen
die Christsozialen von heute an über den Finanzierungsstopp
als "effektive Maßnahme unterhalb eines Verbotsverfahrens"
diskutieren. Er könne sich vorstellen, den Bundestagspräsidenten
in die Lage zu versetzen, bereits bei vom Verfassungsschutz beobachteten
Parteien, Zahlungen auszusetzen, sagte CSU-Generalsekretär
Alexander Dobrindt. Nötig sei dazu eine Änderung des Grundgesetzes.
Für Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger
(SPD) wirft CSU-Vorschlag mehr Fragen auf als er beantwortet. Sie
sollte ihren Vorschlag durch einen konkreten Gesetzentwurf unterfüttern.
"Erst dann können sich die Fraktionen im Bundestag, aber
auch die Landesregierungen dazu abschließend positionieren",
so Poppenhäger. Dennoch bleibe festzustellen, dass einem solch
verfassungsrechtlich anfälligen Vorschlag ein erneutes NPD-Verbotsverfahren
vorzuziehen sei. Auch führende Parteienforscher und Staatsrechtler
bezweifeln unterdessen, dass die CSU mit dem eingeschlagenen Weg,
per Verfassungsänderung die staatliche Finanzierung zu streichen,
Erfolg haben wird. Der Vize-Direktor des Instituts für Parteienrecht
und Parteienforschung an der Heine-Universität Düsseldorf,
Martin Morlok, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Ich halte
die Idee nicht für gut und räume ihr auch wenig Chancen
ein."
Der Thüringer Verfassungsrechtler und einstige Landtagsdirektor
Joachim Linck hält ein Verbot ebenfalls für die bessere
Lösung und hat dies in der Vergangenheit in unserer Zeitung
auch bereits ausführlich dargelegt.
"Sollte man nicht zu dem scharfen Schwert des Parteiverbots
greifen wollen", sagt Linck aber ebenso, "sollte man zumindest
alle zuvor aufgeführten staatlichen Leistungen in folgender
Weise unterbinden":
- Der Anspruch verfassungsfeindlicher Parteien auf Leistungen nach
dem Parteiengesetz sollte gestrichen werden.
- Verfassungsfeindlichen Parteien sollte die Zulassung zu Wahlen
versagt und damit der Zustrom öffentlicher Mittel über
Abgeordnete und Fraktionen an diese Parteien unterbunden werden.
- Demonstrationen verfassungsfeindlicher Parteien sollten bereits
aufgrund ihrer inhaltlichen verfassungsfeindlichen Zielsetzung verboten
werden.
"Für sämtliche dieser gesetzlichen Regelungen bedarf
es allerdings einer entsprechenden verfassungsrechtlichen Absicherung",
betont Linck.
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Der »Nationalsozialistische
Untergrund« |
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Antifaschistisches
Info-Blatt 4/2011 |
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Es klang wie das Ende einer Geschichte
als am 4. November 2011 zwei Männer im thüringischen Eisenach
tot in einem brennenden Wohnmobil aufgefunden wurden. Doch was die
Ermittlungen der Sicherheitsbehörden und die Recherchen von
Journalist_innen innerhalb weniger Tage zum Vorschein brachten,
machte schnell deutlich: Der Tod von Uwe Böhnhardt und Uwe
Mundlos wird in die Geschichtsbücher eingehen, denn, so weiß
man heute, er markiert einen traurigen Höhepunkt neonazistischen
Terrors in Deutschland und das Versagen der Sicherheitsorgane.
Nur wenige Stunden nachdem die zwei Männer erfolgreich eine
Bank in Eisenach überfallen hatten und kurz darauf Mundlos
erst Böhnhardt und dann sich selbst erschossen haben soll,
explodierte knapp 200 Kilometer entfernt, im sächsischen Zwickau
ein Wohnhaus. Die Polizei fahndete in diesem Zusammenhang nach einer
Frau, die kurz zuvor das Gebäude verlassen hatte: Beate Zschäpe.
Sie stellte sich wenige Tage später, in Begleitung eines Anwalts,
der Polizei. Noch bevor Polizei und Medien über die Zusammenhänge
von Eisenach und Zwickau berichteten, vermuteten Kenner_innen der
Neonazi-Szene einen Bezug zwischen den zwei Tatorten. Ihr Verdacht:
Bei den zwei Männern und der Frau könnte es sich um ein
bekanntes, seit 1998 untergetauchtes Neonazi-Trio aus dem thüringischen
Jena handeln. Sie sollten recht behalten.
Das Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe ist den Behörden
ebenso wie lokalen Antifaschisten_innen in Thüringen seit Mitte
der 1990er Jahre bekannt. Als im April 1996 ein Puppentorso mit
einem so genannten gelben Judenstern und einem Schild mit der Aufschrift
»Vorsicht, Bombe!« an einer Autobahnbrücke bei
Jena gefunden wird, fällt der Verdacht schnell auf Uwe Böhnhardt,
doch die Ermittlungen dauern Monate und so setzt sich die Spur der
Anfänge des neonazistischen Terrors ungehindert fort. Ende
1996 und Anfang 1997 tauchen drei Briefbombenattrappen mit Hakenkreuzen
bei einer Lokalzeitung, der Stadtverwaltung und der Polizeidirektion
in Jena auf. Die Polizei ermittelte in der Jenaer Neonazi-Szene
und ihrem Umfeld, konnte jedoch keine Ermittlungserfolge vorweisen
und stellte Mitte 1997 das Verfahren ein. Kurze Zeit später,
im September desselben Jahres, wurde vor dem Jenaer Theater ein
mit einem Hakenkreuz bemalter Koffer mit brisantem Inhalt gefunden:
Er enthielt eine mit zehn Gramm TNT versehene funktionstüchtige
Bombe, die aufgrund einer fehlenden Batterie nicht zündfähig
war. Nur drei Monate später stellte die Polizei erneut einen
Hakenkreuz-Koffer sicher. Diesmal auf einem Friedhof an einem antifaschistischen
Mahnmal. Jedoch ohne TNT, sondern mit einem gefüllten Benzinkanister.
Nur zwei Wochen vor dem letzten Fund wurde Uwe Böhnhardt rechtskräftig
zu einer Haftstrafeverurteilt, u.a. aufgrund des Puppentorsos von
1996. Antreten musste er seine Haftstrafe trotz Verurteilung nicht.
Am 26. Januar 1998 durchsuchten Ermittler_innen die Wohnungen und
Garagen von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Da kein Haftbefehl
vorlag und in den Wohnungen von Mundlos und Zschäpe keine belastenden
Gegenstände gefunden wurden, die eine vorläufige Ingewahrsamnahme
gerechtfertigt hätten, fand keine Verhaftung statt. Böhnhardt
führte die Fahnder an diesem Tag zu einem Garagenkomplex und
entfernte sich noch während der Durchsuchung, bei der 1,4 kg
TNT und vier funktionsfähige Rohrbomben beschlagnahmt wurden,
scheinbar problemlos vom Ort des Geschehens. Seit diesem Zeitpunkt
war das Trio auf der Flucht. Trotz unzähliger Hinweise, intensiver
Ermittlungen und der Tatsache, dass Teilen der Sicherheitsbehörden
zwischenzeitlich die Aufenthaltsorte bekannt gewesen sein sollen,
erfolgte keine Verhaftung. Letztlich wurde die Fahndung gegen die
drei im Zusammenhang mit dem Sprengstofffund im Jahr 2003 eingestellt.
Nach Böhnhardt wurde allerdings noch bis 2007 aufgrund der
Verurteilung aus dem Jahr 1997 gefahndet auch international.
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Thüringen trauriger Spitzenreiter
bei Nazi-Szene-Treffs |
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Thüringer
Allgemeine vom 21.12.2011 |
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In Thüringen gibt es zahlreiche
Szene-Treffs der Neonazis. In keinem anderen Bundesland soll es
mehr rechtsradikale Konzerte geben als hier. Beim Bier grölen
die Neonazis Liedtexte, in denen es um Gewaltverherrlichung und
Ausländerhass geht.
Die Nazi-Szene hat ihre Lieder - und ihre geheimen Treffpunkte.
Wenn sich die braunen Kameradschaften in bierseliger Runde in abseits
gelegenen Gasthöfen selber feiern, dann grölen sie ungeniert
die Songs mit, in denen es um Gewaltverherrlichung und Ausländerhass
geht.
Musik scheint das ideale Mittel zu sein, um Jugendlichen den Nationalsozialismus
näherzubringen. Allein in Thüringen fanden im vergangenen
Jahr 27 rechte Konzerte statt. So manches Musik-Spektakel ist über
die Jahre zu einem bundesweiten Event geworden. So findet beispielsweise
seit 2003 in Gera das Festival "Rock für Deutschland"
statt. Kamen am Anfang gerade einmal 100 Leute, sind es mittlerweile
mehrere Tausend Anhängern.
"Es gibt derzeit kein Bundesland, in dem so viele Neo-Nazi-Open-Airs
stattfinden wie in Thüringen", bestätigt Stefan Heerdegen
von Mobit, der mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus.
Sowohl Dichte als auch Kontinuität der Veranstaltungen seien
einmalig in Deutschland.
Im Sommer des Jahres 2009 erlebte der Stadtteil Debschwitz in Gera
seinen Tiefpunkt. Neonazi-Horden, fast 5000 Anhänger aus allen
Teilen Europas, feierten ihre Szenebands, darunter "Die Lunikoff
Verschwörung". Deren Frontmann wiederum, Michael Regener,
sang einst bei der Combo "Landser", die verboten wurde.
Bevor Regener eine Strafe antreten musste, gab er im thüringischen
Pößneck, bei einer Veranstaltung zum Landesparteitag
der NPD, ein viel umjubeltes Abschiedskonzert.
Die Auftritte der Bands werden vor allen Dingen dazu genutzt, um
braune Ideologie zu vermitteln. "Häufig sind jahrelang
aktive Neonazis eingeladen, die ihren Hass an die Jugendlichen weitergeben",
erklärt Heerdegen.
Die Grenze zwischen der Szene und der NPD sei fließend, warnt
der Sozialpädagoge. "Oft werden Konzerte von Partei-Mitgliedern
angemeldet."
Der Thüringer Verfassungsschutz rechnet der rechtsextremen
Szene im Freistaat rund 1000 Personen zu, darunter 450 Anhänger
der gewaltbereiten Szene und 180 aktive Neonazis.
Mobit versucht, alle rechtsextremen Aktivitäten und alle öffentlichen
Aktionen zu dokumentieren. Die erstellte Chronik beweist: Thüringen
hat jede Menge brauner Ecken. Beispielsweise boomt der Markt mit
rechtsextremen Artikeln. So gibt es in Sondershausen einen großen
Internet-Versandhandel für CDs rechter Bands - der Inhaber
ist NPD-Mann.
Auch nahe Weimar hat sich ein solches Geschäft angesiedelt.
Über den ganzen Freistaat verteilt haben sich diverse Musiklabels
etabliert. "Wir gehen davon aus, dass es rund zehn Versandgeschäfte
für Rechtsrock gibt", erklärt Heerdegen.
Hinzu kommt, dass den Neonazis in Thüringen eine Reihe von
Veranstaltungszentren zur Verfügung steht.
Beispiel Kirchheim im Ilmkreis. Der "Romantische Fachwerkhof"
ist regelmäßig Treffpunkt rechter Funktionäre und
ihrer Getreuen. Hier, in dem verträumten Örtchen, fand
auch der gescheiterte Versuch statt, NPD und DVU zu einer Partei
zusammenzuschließen.
Der Besitzer des Anwesens, Rainer Kutz, behauptet von sich, keinerlei
Sympathien für die Rechten zu hegen. Dass er so häufig
an NPD und andere Organisationen vermiete, sei "rein wirtschaftliches
Interesse", weil ihm die Behörden des Ilmkreises keine
andere Wahl lassen würden, um Geld zu verdienen.
Tatsächlich gibt es einen jahrelangen Streit des Besitzers
mit den Behörden, der gerichtlich noch immer nicht entschieden
ist. Kutz hatte von der Kreisverwaltung eine Baugenehmigung für
seine "Partyscheune" erhalten, aber hinterher verbot ihm
die gleiche Behörde den öffentlichen Betrieb - weil ein
solches Objekt mitten im Ort nicht genehmigungsfähig sei. Deshalb
kann er die Scheune nur für geschlossene Veranstaltungen vermieten.
Die rechte Szene nutzt das Objekt gern, weil es im Gegensatz zu
anderen Orten keine Probleme mit dem Besitzer gibt. Sauer darüber
sind jedoch die Kirchheimer Bürger, die sich zu einem Bündnis
zusammengeschlossen haben, um solche Veranstaltungen zu verhindern.
Sie fürchten zu Recht, dass Kirchheim den Ruf eines braunen
Treffpunkts dauerhaft nicht wieder los wird.
Bis zum Bundeskriminalamt scheint sich aber der Kirchheimer Makel
noch nicht herumgesprochen zu haben. Als zum Papstbesuch nach Quartieren
für Personenschützer gesucht wurde, brachte man sie auch
im "Romantischen Fachwerkhof" unter.
In Thüringen gab und gibt es noch weitere Veranstaltungsorte,
die von den Neonazis mit Vorliebe genutzt werden. In der Stadthalle
von Pößneck beispielsweise wurden bis Anfang 2011 regelmäßig
Veranstaltungen abgehalten, und in Bad Langensalza wurde das Bürohaus
Europa schon für Konzert- und Liederabende genutzt.
"Bei allen Kebabs herrschen Angst und Schrecken" - mit
dieser perfiden Textzeile feierte die bekannte Nazi-Combo "Gigi
und die braunen Stadtmusikanten" angeblich die brutale Mordserie
der Zwickauer Zelle. Das Machwerk wurde von den Behörden indiziert
- und die Fahnder fragen sich nun, ob der Sänger Daniel "Gigi"
Giese möglicherweise bereits vor der Identifizierung der Täter
Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Kenntnisse
über die Verbrechen hatte.
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NPD Kreisverband Greiz führt
die Distanzierung des Bundesvorstandes von der Zwickauer Terrorzelle
ad absurdum |
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09.12.2011 |
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Die Vorstandsmitglieder des NPD
Kreisverbandes Greiz geben ihren Rücktritt bekannt. Ausschlaggebend
hierfür sei der Vorwurf einer Verbindung der Partei mit den
Aktivitäten der Zwickauer-Terrorzelle. Ein Vorwurf, den der
Bundesvorstand der NPD allerdings vehement bestreitet.
Dem ehemaligen stellvertretenden Landesvorsitzenden und jahrelangem
Mitglied der NPD Ralf Wohlleben werden Verbindungen zu Böhnhardt,
Zschäpe und Mundlos vorgeworfen. Er wird der Beihilfe zu sechs
Morden und einem versuchten Mord beschuldigt. Die Bundes-anwaltschaft
geht u.a. davon aus, dass er die Schusswaffe inklusive Munition
besorgt hat. Ganz erschrocken über solche Anschuldigungen geben
sich die Vorstandsmitglieder des NPD-Kreisverbandes Greiz und nehmen
dies zum Anlass aus der Partei auszutreten. Damit verdeutlichen
sie, dass sie ihrem eigenen Bundesvorstand keinen Glauben schenken.
Denn der NPD-Bundesvorstand versucht sich insbesondere seit dem
Bekanntwerden der Mord- und Anschlagsserie von den TäterInnen
sowie von Gewalt im Allgemeinen zu distanzieren. In einer jüngst
veröffentlichten Stellungnahme wird erneut jeder Zusammenhang
zwischen NPD, der Tätergruppe und gewalttätigen außerparteilichen
Gruppen zurückgewiesen. Mit dem Parteiaustritt werden derartige
Stellungnahmen des Bundesvorstandes ad absurdum geführt. Denn
offensichtlich trauen die ausgetretenen Parteimitglieder ihrer Partei
derartige Verbindungen zu.
"Ein Parteiaustritt im Zuge der aktuellen Entwicklungen erscheint
scheinheilig. Beständig weisen wir auf enge Verbindungen und
auch Personenüberschneidungen zwischen gewaltbereiten Neonazis
und der NPD hin. Im Kreis Greiz ist hier etwa auf den wegen eines
Brandanschlages auf ein Asylbewerberheim vorbestraften Norman Wilkens
zu verweisen, dessen Kandidatur für die NPD bei der Landtagswahl
2009 nicht zu Parteiaustritten führte", kommentiert darüber
hinaus Mikis Rieb von der NiP-Projektgruppe.
"Die Gewaltbereitschaft einiger ehemaliger NPD Mitglieder und
Vorstandsmitglieder zieht in Greiz eine schon länger nachvollziehbare
Spur. So waren Maik Leis damaliger Kandidat für die Stadtratswahlen
2009 und der ehemalige Beisitzer des NPD Kreisvorstandes 2009 Sven
Kottke , zusammen mit Norman Wilkens an einem Angriff auf einen
kurdischen Imbissbesitzer beteiligt. Alle drei standen gemeinsam
wegen gefährlicher Körperverletzung Ende 2010 vor Gericht."
so Rene Weber von Move / Kontaktstelle gegen Rechts im Vogtland.
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Die Neonazis und die Schulspeisung |
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Thüringer
Allgemeine vom 05.12.2011 |
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Im Jahr 2009 wollte die NPD Thüringen
erobern. Bei der Landtagswahl scheiterte sie - doch in den Kommunalparlamenten
sitzt sie seitdem.
Es ist gerade nicht die beste Zeit, um in der NPD zu sein, schon
gar nicht in der Thüringer Landespartei - und schon gar nicht
als vorbestrafter Brandanschlagsanstifter. In der vorigen Woche
musste Patrick Wieschke nach Erfurt, um sich vom Bundeskriminalamt
einvernehmen zu lassen. Dort, das berichtet er selbst, habe man
ihn gefragt, ob er kürzlich der mutmaßlichen Rechtsterroristin
Beate Zschäpe Obdach gewährte. "Ich habe selten so
einen solchen Unsinn gehört", verbreitete daraufhin Wieschke.
Er habe den besagten Herbstabend ausschließlich mit seiner
Partnerin verbracht - und "ein reines Gewissen".
Wieschke sitzt seit einigen Wochen im Bundesvorstand der NPD, als
Bundesorganisationsleiter. Geschäftsführer der Landespartei
ist er schon länger. Im Stadtrat von Eisenach sitzt er seit
2009. Wieschke, gerade einmal 30 Jahre alt, gehört zu den aktivsten
Kommunalpolitikern der NPD. Zusammen mit dem zweiten Abgeordneten,
Jonny Albrecht, bringt er regelmäßig Anträge ein,
ob nun zur Schulspeisung, den Kleingärtnern oder zu technischen
Mängeln auf den Spielplätzen.
Die Strategie ist simpel: Vorschläge machen, die sogar Sinn
ergeben, und sie dann von den demokratischen Parteien ablehnen lassen.
So kann man sich als verfolgte und verkannte Kümmerer darstellen.
Wieschke hat dieses Verfahren derart perfektioniert, dass es manchen
Stadträten inzwischen ziemlich schwerfällt, sich derart
vorführen zu lassen. In der ersten Sitzung 2009 beantragte
er eine Einwohner-Fragestunde, in der zweiten Sitzung verlangte
er mehr Transparanz in den Ausschüssen. Dazwischen werden dann
Anträge gemischt, die etwa die Umbenennung des Ausländerbeauftragten
in einen "Ausländerrückführungsbeauftragten"
fordern.
Dass die Rechtextremisten seit 2009 in den Kommunalparlamenten sitzen,
hat vor allem damit zu tun, dass bei den damaligen Wahlen die 5-Prozent-Hürde
erstmals wegfiel. So schafften es 25 Neonazis in die Stadträte
und Kreistage, 90 Prozent davon gehören zur NPD.
In einer Untersuchung der Grünen-nahen Böll-Stiftung aus
diesem Frühjahr werden zwei verschiedene Gruppen von rechtsradikalen
Abgeordneten definiert. Zur ersten Gruppe gehören ältere
West-Funktionäre wie Bundesvize Frank Schwerdt, der durch bloße
Präsenz aktiv sei. In der zweiten Gruppe finden sich junge,
lokale NPD-Kader, die gleichzeitig in den Kreisverbänden und
in den Kommunalparlamenten säßen. Sie versuchten, heißt
es, den "Ausbau ihres realpolitischen Einflusses" voranzutreiben.
Eisenach und der Wartburgkreis seien dabei "die Musterregion"
- aber auch in den Stadträten von Weimar und Nordhausen oder
in den Kreistagen von Gotha und des Kyffhäuserkreises sei dieses
Vorgehen zu beobachten. Die bisherige Bilanz der Initiative "Mobit",
die die Nazis in den Parlamenten beobachtet, ist deshalb gemischt:
Die Mehrheit der rechtsextremen Abgeordneten seien mit bis zu fünf
Aktivitäten seit ihrer Wahl "als passiv-beobachtend"
zu beschreiben.
Aber auch hier, heißt es, dürfe man sich nicht täuschen
lassen. Thorsten Heise, der vom eichsfeldischen Fretterode aus einen
nazistischen Devotionalienhandel betriebt, sei zwar im dortigen
Kreistag kaum aktiv. Gleichzeitig führe er aber die sogenannten
freien Kräfte und habe erst im September den "Eichsfelder
Heimattag" organisiert, auf dem auch der damalige NPD-Chef,
Udo Voigt, redete.
So hält es im Übrigen auch Patrick Wieschke. Der Multifunktionär
war natürlich auch am Wochenende wieder unterwegs: Er redete
auf einer Demonstration der NPD in Gera.
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Haftbefehl gegen mutmaßlichen
Unterstützer des Neonazi-Trios |
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Thüringische
Landeszeitung vom 29.11.2011 |
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Im Fall der rechtsextremen Mordserie
ist am Dienstag in Jena ein weiterer mutmaßlicher Helfer der
Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen
worden. Inzwischen hat der Bundesgerichtshof gegen Ralf Wohlleben
Untersuchungshaft verhängt. Die Bundesanwaltschaft hatte den
36-jährigen Ralf Wohlleben am Dienstagmorgen in Jena durch
Beamte des Landeskriminalamts Thüringen festnehmen lassen.
Wohlleben ist nach Auffassung der Bundesanwaltschaft
dringend verdächtig, Beihilfe zu sechs Morden und einem versuchten
Mord der NSU-Terrorzelle geleistet zu haben.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Anklagebehörde war Ralf Wohlleben
seit 1995 in rechtsextremistischen Kreisen in Thüringen aktiv.
Er stand demnach bereits in den 1990er Jahren in enger Verbindung
zu den drei NSU-Mitgliedern Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und
Beate Zschäpe und soll diese bei ihrer Flucht 1998 und später
finanziell unterstützt haben.
Zudem vermittelte Ralf Wohlleben den Kontakt zwischen den untergetauchten
NSU-Mitgliedern und dem schon seit dem 13. November inhaftierten
Holger G., der ihnen Geld und Ausweisdokumente überließ.
Der 37-jährige Holger G. war bei Hannover wegen Verdachts der
Unterstützung der terroristischen Vereinigung festgenommen
worden.
Wohlleben war einer der führenden Köpfe des "Thüringer
Heimatschutzes", dem auch Zschäpe, Böhnhardt und
Mundlos angehörten. Der Informatiker war Vorsitzender des Jenaer
NPD-Kreisverbandes sowie Pressesprecher und Landesvize der NPD Thüringen.
Er war auch Herausgeber der NPD-Postille "Thüringenstimme".
In der Partei war er nach Angaben eines Parteisprechers bis 2009
aktiv, im September 2010 trat er demnach aus der NPD aus.
2002 ließ er sich als parteiloser Kandidat in den Ortschaftsrat
des Jenaer Neubaugebiets Winzerla wählen. Im selben Jahr baute
er mit anderen Aktivisten der rechten Szene in Jena im sogenannten
Braunen Haus ein überregionales Schulungszentrum und einen
Treffpunkt für Rechtsextreme auf. Wegen brandschutztechnischer
Mängel wurde das Haus im Jahr 2009 geschlossen.
Wohlleben taucht wegen seiner Aktivitäten mehrfach in den Berichten
des Landesverfassungsschutzes auf. Der 36-Jährige, der wegen
Körperverletzung und Nötigung vorbestraft ist, organisierte
zahlreiche Rechtsrock-Konzerte sowie den "Thüringentag
der nationalen Jugend", bei dem er auch als Redner auftrat.
2010 stand die Veranstaltung unter dem Motto "Die Demokraten
bringen uns den Volkstod - Stoppen wir sie!".
Wohlleben bemühte sich laut Verfassungsschutzbericht 2006 darüber
hinaus um die Vernetzung rechtsextremer Homepages. Demnach war er
Betreiber eines Servers, auf dem er "parteigebundenen und freien
Nationalisten aus Thüringen" günstigen Speicherplatz
zur Verfügung stellte.
Aus seiner Gesinnung machte Wohlleben nie einen Hehl. Auf dem Portal
"abgeordnetenwatch.de" bekannte sich der damalige Bundestagskandidat
der NPD 2005 offen zur Neonazi-Szene. Der Begriff Neonazi sei zu
Unrecht negativ besetzt, es handele sich um Aktivisten, die außerhalb
der NPD einen "Wandel in unserem Land" zu erreichen versuchten.
Die freien Kameradschaften bezeichnete Wohlleben als "politische
Kräfte, die in unserem Sinne aktiv sind".
Zur aktuellen Festnahme von Ralf Wohlleben erklärte die Bundesanwaltschaft:
"Aufgrund seiner anhaltenden Verbindung zu der unter falscher
Identität lebenden Gruppe wusste er von ihren terroristischen
Straftaten." Wohlleben sei zudem dringend verdächtig,
dem NSU 2001 oder 2002 eine Schusswaffe nebst Munition verschafft
zu haben. Er soll Waffe und Munition einem Kurier übergeben
haben, der sie in seinem Auftrag der Zelle nach Zwickau brachte.
Dabei nahm der Beschuldigte laut Anklagebehörde "billigend
in Kauf, dass die Schusswaffe für rechtsextremistische Morde
verwendet werden könnte".
Erst am Donnerstag war der mutmaßliche
Terrorhelfer Andre E. festgenommen worden. Der 32-Jährige aus
Sachsen soll das menschenverachtende Propaganda-Video hergestellt
haben, in dem sich die NSU zu neun Morden an ausländischen
Kleinunternehmern und den Mordanschlägen auf zwei Polizisten
in Heilbronn bekennt. Außerdem soll Andre E. im Mai 2009 zwei
NSU-Mitgliedern ermöglicht haben, auf ihn und seine Ehefrau
ausgestellte Bahncards zu nutzen. Andre E. soll seit 2003 "in
engem Kontakt" zur NSU gestanden haben.
Nach den bisherigen Erkenntnissen bildeten
die am 4. November tot aufgefundenen Böhnhardt und Mundlos
gemeinsam mit der inhaftierten Zschäpe seit 1998 den NSU.
Die Gruppierung soll bundesweit für neun Morde an Kleinunternehmern
türkischer und griechischer Herkunft in den Jahren 2000 bis
2006, den Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn vom April
2007 und zwei Bombenanschläge in Köln von 2001 und 2004
verantwortlich sein. "Zweck" der Terrorgruppe sei es gewesen,
aus einer fremden- und staatsfeindlichen Gesinnung heraus vor allem
Mitbürger ausländischer Herkunft zu töten, so die
Bundesanwaltschaft.
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Was jetzt zu tun ist |
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21.11.2011
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Vor-Ort-Initiativen gegen rechte
Gewalt und Projekte zur Hilfe von Opfern fordern eine Umkehr in
der Politik staatlicher Behörden gegen Rechtsradikalismus.
Mobile Beratungsteams und Opferberatungsprojekte
beraten und begleiten Opfer rechter Gewalt, Kommunen und Zivilgesellschaft.
"Auch wenn wir seit Jahren vor der Gewalt von Neonazis und
rassistischen Gelegenheitstätern warnen, sind wir geschockt
von dem Ausmaß an Ignoranz und Verharmlosung staatlicher Stellen
angesichts der rassistischen Mordserie. Wir verlangen jetzt eine
Zäsur im Umgang mit der extremen Rechten."
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Im Westen nichts Neues
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Die Geschehnisse um die Neonazigruppe
"NSU" lassen es sinnvoll erscheinen, eine MOBIT-Recherchebroschüre
aus dem Jahr 2002 online zu stellen. Hierin werden die Neonazistrukturen
Anfang des Jahrtausends vor allem in Westthüringen beleuchtet.
Unter anderem findet auch der "Thüringer Heimatschutz"
Erwähnung. Protagonisten von damals spielen auch in der aktuellen
rechtsextremen Szene Thüringens eine Rolle.
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Gewalt der Neonazis wenig überraschend
- Mord ist die Konsequenz extrem rechter Ideologie |
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17.11.2011 |
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Die neonazistische Mord- und Anschlagsserie,
die ihren Ausgangspunkt in Thüringen nahm, ist nicht im luftleeren
Raum entstanden. Die Täter waren in der zweiten Hälfte
der 1990er Jahre im "Thüringer Heimatschutz" (THS)
organisiert. Andere Mitglieder des THS sind später in die NPD
eingetreten und haben Kurs und Auftreten der rechtsextremen Partei
wie der gesamten rechtsextremen Szene in Thüringen seither
mitgeprägt. Unterschiede zwischen den Aktivitäten der
Neonazis im Untergrund und den zumeist legalen Aktionen von NPD
und parteiungebundenen, "freien" Neonazis sind eher nicht
in der Weltanschauung, sondern in der Wahl der Mittel zur Durchsetzung
der Ziele zu suchen. Anträge zur Umbenennung von Ausländerbeauftragten
in "Ausländerrückführungsbeauftragte" verfolgen
die gleiche Zielsetzung einer rassistischen Volksgemeinschaft, wie
sie das Jenenser Trio letztlich mit Waffengewalt anstrebte.
Nicht nur vor dem Hintergrund früherer
von Neonazis verübter Morde und Anschläge stellen die
aktuell bekanntgewordenen Taten keine neue Stufe rechter Gewalt
dar. "Seit 1990 sind 182 Todesopfer rassistischer Gewalt in
Deutschland zu beklagen." gibt Stefan Heerdegen (MOBIT) zu
bedenken. "Die Taten von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und
Beate Zschäpe führen lediglich vor Augen, was möglich
ist, wenn Neonazis ihre menschenverachtende Ideologie konsequent
zu Ende denken." Gewalt ist in der rechtsextremen Szene ein
gängiges Instrument zur Durchsetzung politischer Ziele.
Die Aktionen des "Thüringer Heimatschutzes", die
sich vor allem gewaltsam gegen politische Gegner_innen richteten,
waren aber auch Argumente für die Gründung von Mobit e.V.
als Trägerverein für das Mobile Beratungsteam. Seit nunmehr
zehn Jahren beobachtet MOBIT die neonazistische Szene in Thüringen
und warnt, ebenso wie zahlreiche weitere Projekte vor den Gefahren,
die von rechter Ideologie ausgehen. Die Beobachtungen zeigen, dass
kontinuierliche rechte Strukturen in Thüringen bestehen. Zu
erinnern ist einmal mehr an die Zustimmung vieler Thüringer_innen
zu rechtsextremen Positionen, jährlich belegt im Thüringen
Monitor.
Bei MOBIT, aber auch in der gegen Rechtsextremismus engagierten
Zivilgesellschaft Thüringens ist mittlerweile viel Wissen und
ein großer Erfahrungsschatz entstanden. Nach dem offenkundigen
Versagen der Verfassungsschutzämter und Strafverfolgungsbehörden
wäre die verantwortliche Politik nun gut beraten, den Aktiven
mehr Wertschätzung und Vertrauen in ihre Expertise zuzubilligen.
Dazu gehört insbesondere eine auf Dauer angelegte, solide Förderung
von Projekten zur Förderung und Stärkung von demokratischer
Zivilgesellschaft. Auch eine eindeutige Ausrichtung des Thüringer
Landesprogramms auf die Bekämpfung des Rechtsextremismus auf
Einstellungs- und Verhaltensebene ist geboten.
Ein reflexartige NPD-Verbotsdebatte hingegen ist momentan eher ablenkend
als hilfreich und die geforderte zentrale Neonazi-Datei bedient
nur die alten Sammel-Bedürfnisse der Kreise, die mit ihrem
Wissen und ihren Kompetenzen die Taten von Zschäpe, Böhnhardt
und Mundlos nicht verhindern konnten. Eine ernstgenommene demokratisch
handelnde Zivilgesellschaft ist langfristig das verlässlichere
Instrument zur Isolierung des Rechtsextremismus in der Gesellschaft.
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Zum Umgang mit dem Extremismusbegriff
in der Praxis Mobiler Beratung |
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22.03.2011 |
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Die aktuelle politische Auseinandersetzung
und die mediale Diskussion um so genannte politische Extremismen
häufig verbunden mit einer Gleichsetzung so unterschiedlicher
Phänomene wie Rechtsextremismus, Islamismus und Linksextremismus
lösen bei denjenigen, die sich alltäglich und vor
Ort mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen von Rechtsextremismus,
Rassismus und Antisemitismus auseinander setzen, zunehmend Fragen
und Unsicherheiten aus: Fragen bezüglich ihrer zukünftigen
Bündnis- und Vernetzungsarbeit, der als legitim erachteten
Protestformen sowie der perspektivisch zu erwartenden Unterstützung
bzw. deren Entzug durch Politik und Verwaltung.
Dadurch können Initiativen und aktive Einzelpersonen nicht
nur in ihrem Engagement gebremst und ihre Problemanalyse von demokratiegefährdenden
Tendenzen als unsachlich dargestellt werden. Es besteht zudem die
Gefahr, dass sie je nach aktueller politischer Debatte und Nützlichkeit
selbst unter Linksextremismusverdacht gestellt, stigmatisiert,
isoliert und aus der gesellschaftlichen Mitte ausgeschlossen werden.
Als Mobile Beratungsteams (MBT) für Demokratieentwicklung und
gegen Rechtsextremismus gehört es zu unseren zentralen Anliegen,
das Engagement der vielen unterschiedlichen Initiativen und Einzelpersonen
die wir als Beratungsnehmer_innen kennen und unterstützen
- zu würdigen.
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Der vollständige Text ist hier
zu lesen. |
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Rechtsextremisten in Thüringer
Parlamenten
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Über
insgesamt 25 Abgeordnete verfügt die extreme Rechte zur Zeit in
Thüringer Kommunalparlamenten. Nach bald einem Jahr kann nun über
erste Erfahrungen mit Rechtsextremisten im parlamentarischen Raum
berichtet werden.
In diesem Zusammenhang soll das neue Projekt NIP - Thüringen (Nazis
in Parlamenten) der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus vorgestellt
werden. Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Aktivitäten
der NPD und anderer Neonazis in Thüringer Kommunalparlamenten zu
dokumentieren.
NIP gründete sich nach dem Einzug extrem rechter Abgeordneter in
kommunale Parlamente. Mit Unterstützung von VertreterInnen demokratischer
Parteien, Organisationen und Einzelpersonen vor Ort stellen wir
eine kritische Übersicht zu parlamentarischen Vorlagen, Reden und
Provokationen der extremen Rechten aus verschiedenen Kreistagen
und Stadträten zusammen.
Neben der Dokumentation strebt NIP eine Analyse der vorliegenden
Dokumente und Berichte aus den Parlamenten an. - Lassen sich bestimmte
inhaltliche Schwerpunktsetzungen der Neonazis erkennen? Welche Personen
agieren für die extreme Rechte in den Parlamenten? Wie gehen demokratische
Parteien und Öffentlichkeit mit den Neonazis in Thüringer Kommunalparlamenten
um?
Diese Fragestellungen sind unter anderem Grundlage für die Entwicklung
von Handlungsempfehlungen für demokratische Akteure vor Ort. Ziel
ist es, den Einfluss der Neonazis in den Parlamenten zu beschränken,
die offensive inhaltliche Auseinandersetzung mit extrem rechter
Ideologien zu befördern, Gewöhnungs- und Normalisierungstendenzen
und langfristig die Wahlchancen der NPD und anderer extrem rechter
Parteien zu minimieren.
Hierzu wird das Projekt mit Veranstaltungen und Veröffentlichungen
seine Ergebnisse zur Diskussion stellen und sucht den Austausch
mit vergleichbaren Projekten in anderen Bundesländern.
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Nazis
in Parlamenten.- Eine Bestandsaufnahme und kritische Analyse aus Thüringen |
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Die gemeinsame Broschüre
des NiP Projektes, der Heinrich -Böll Stiftung und des DAKT
e.V. zieht nach fast zwei Jahren eine erste Zwischenbilanz zu den
parlamentarischen Aktivitäten der extrem rechten Mandatsträger
in Thüringen. Neben Erfahrungen aus anderen Bundesländern
liefert die Broschüre wertvolle Handlungsempfehlungen zum Umgang
mit Nazis in den Parlamenten.
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