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mitteilungen - artikel
Breiter Protest gegen Neonazi-Event in Leinefelde
04.09.2011

Am gestrigen Samstag protestierten rund 250 Menschen in Leinefelde gegen den „Eichsfelder Heimattag“ der NPD. Angemeldet war die Demonstration von der DGB-Jugend Thüringen. Namenhafte Unterstützung erhielten sie unter andern von der Sozialministerin Heike Taubert (SPD). Mitglieder aller Parteien demonstrierten den Konsens der Demokraten gegen die antidemokratische NPD. Auch die Vertreter großen christlichen Kirchen, der jüdischen Gemeinde aus Nordhausen und Engagierte anderer Bündnisse gegen Rechtsextremismus nahmen am Protestzug teil, der in ein Fest für Demokratie mit Reden und Musik mündete.
Für die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) belegt der „Eichsfelder Heimattag“ einmal mehr, dass Thüringen das Festivalland der RechtsRockszene ist und die thüringische NPD seit nunmehr zehn Jahren auf Kundgebungen mit Konzert-Charakter setzt. „Es ist erfreulich, dass auch gestern die Solidarität unter den demokratischen Kräften in ganz Thüringen zu erleben war.“, so Stefan Heerdegen (MOBIT). „Diese Groß-Events haben eine thüringenweite Bedeutung und können überall in Thüringen stattfinden. Eine starke Vernetzung und Unterstützung der zivilgesellschaftlichen Kräfte untereinander ist daher wichtig!“
Der Anlass der gestrigen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten war der von dem NPD-Bundesvorstandsmitglied, langjährigen Neonazi-Aktivisten und RechtsRock-Produzenten Thorsten Heise veranstaltete „Eichsfelder Heimattag“. Die Teilnehmerzahlen blieben überdeutlich hinter den angemeldeten 1500 zurück. Das nachmittägliche Familienfest besuchten nur etwa 100 Rechtsextreme. Erst zu den Auftritten der Bands ab ca. 18 Uhr war die Zahl der Teilnehmer auf ca. 300 gestiegen. Die Stimmung war bei den in der Szene durchaus populären Gruppen WORDS OF ANGER und OIDOXIE recht verhalten. Selbst neonazistische „Klassiker“ wie „Alter Mann von Spandau“ (Rudolf Hess) und „Ruhm und Ehre der Wehrmacht“ vermochten keine rechte Partystimmung zu erzeugen.
Dem Sänger der Band LUNIKOFF-VERSCHWÖRUNG, dem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vorbestraften Michael Regener (Kopf der ehem. Band LANDSER) war der Auftritt verboten worden. Dieser war dennoch anwesend und verfolgte das Konzert seiner Bandkollegen, unterstützt von den anderen Bands, aus dem Publikum. Bekannte Titel der LUNIKOFF-VERSCHWÖRUNG wurden mit anderem Sänger dennoch gespielt.
Obwohl dieser „Eichsfelder Heimattag“ der NPD als nicht sonderlich gelungen bezeichnet werden muss, ist dennoch zu befürchten, dass er im nächsten Jahr wieder angemeldet wird. Seit 2007 hat es in Thüringen immer mindestens drei dieser Neonazi-Open-Airs in Thüringen gegeben. Es kann heute nicht ausgeschlossen werden, dass Heise diese Veranstaltung im Eichsfeld etablieren möchte. Allerdings hat die regionale Zivilgesellschaft nun erst einmal die Chance auf rechtsextreme Aktivitäten nicht nur zu reagieren, sondern zu agieren.