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Die neonazistische Mord- und Anschlagsserie, die
ihren Ausgangspunkt in Thüringen nahm, ist nicht im luftleeren
Raum entstanden. Die Täter waren in der zweiten Hälfte
der 1990er Jahre im "Thüringer Heimatschutz" (THS)
organisiert. Andere Mitglieder des THS sind später in die NPD
eingetreten und haben Kurs und Auftreten der rechtsextremen Partei
wie der gesamten rechtsextremen Szene in Thüringen seither
mitgeprägt. Unterschiede zwischen den Aktivitäten der
Neonazis im Untergrund und den zumeist legalen Aktionen von NPD
und parteiungebundenen, "freien" Neonazis sind eher nicht
in der Weltanschauung, sondern in der Wahl der Mittel zur Durchsetzung
der Ziele zu suchen. Anträge zur Umbenennung von Ausländerbeauftragten
in "Ausländerrückführungsbeauftragte" verfolgen
die gleiche Zielsetzung einer rassistischen Volksgemeinschaft, wie
sie das Jenenser Trio letztlich mit Waffengewalt anstrebte.
Nicht nur vor dem Hintergrund früherer von Neonazis verübter
Morde und Anschläge stellen die aktuell bekanntgewordenen Taten
keine neue Stufe rechter Gewalt dar. "Seit 1990 sind 182 Todesopfer
rassistischer Gewalt in Deutschland zu beklagen." gibt Stefan
Heerdegen (MOBIT) zu bedenken. "Die Taten von Uwe Mundlos,
Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe führen lediglich
vor Augen, was möglich ist, wenn Neonazis ihre menschenverachtende
Ideologie konsequent zu Ende denken." Gewalt ist in der rechtsextremen
Szene ein gängiges Instrument zur Durchsetzung politischer
Ziele.
Die Aktionen des "Thüringer Heimatschutzes", die
sich vor allem gewaltsam gegen politische Gegner_innen richteten,
waren aber auch Argumente für die Gründung von Mobit e.V.
als Trägerverein für das Mobile Beratungsteam. Seit nunmehr
zehn Jahren beobachtet MOBIT die neonazistische Szene in Thüringen
und warnt, ebenso wie zahlreiche weitere Projekte vor den Gefahren,
die von rechter Ideologie ausgehen. Die Beobachtungen zeigen, dass
kontinuierliche rechte Strukturen in Thüringen bestehen. Zu
erinnern ist einmal mehr an die Zustimmung vieler Thüringer_innen
zu rechtsextremen Positionen, jährlich belegt im Thüringen
Monitor.
Bei MOBIT, aber auch in der gegen Rechtsextremismus engagierten
Zivilgesellschaft Thüringens ist mittlerweile viel Wissen und
ein großer Erfahrungsschatz entstanden. Nach dem offenkundigen
Versagen der Verfassungsschutzämter und Strafverfolgungsbehörden
wäre die verantwortliche Politik nun gut beraten, den Aktiven
mehr Wertschätzung und Vertrauen in ihre Expertise zuzubilligen.
Dazu gehört insbesondere eine auf Dauer angelegte, solide Förderung
von Projekten zur Förderung und Stärkung von demokratischer
Zivilgesellschaft. Auch eine eindeutige Ausrichtung des Thüringer
Landesprogramms auf die Bekämpfung des Rechtsextremismus auf
Einstellungs- und Verhaltensebene ist geboten.
Ein reflexartige NPD-Verbotsdebatte hingegen ist momentan eher ablenkend
als hilfreich und die geforderte zentrale Neonazi-Datei bedient
nur die alten Sammel-Bedürfnisse der Kreise, die mit ihrem
Wissen und ihren Kompetenzen die Taten von Zschäpe, Böhnhardt
und Mundlos nicht verhindern konnten. Eine ernstgenommene demokratisch
handelnde Zivilgesellschaft ist langfristig das verlässlichere
Instrument zur Isolierung des Rechtsextremismus in der Gesellschaft.
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